Jahrgangsverkostung

Die neuen Weine ( Jahrgang 2015) sind abgefüllt – wunderbare Tröpfchen! Jetzt, direkt nach dem Abfüllen, brauchen die Flaschen etwas Ruhe damit sie dann ihr volles Aroma präsentiren können.

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Am Ostersonntag ist  die Jahrgangsverkostung  

-dieser   link zeigt die Einladung. Auf die Besucher warten nämlich noch die letzten Flaschen des Crémant.

Artenvielfalt – und nur Reisling?

Was den Winzer sicher interessieren muss, nämlich welche Klone welcher Sorten am Markt sind, das erschien uns zunächst nicht unbedingt in unsere Fortbildung Lebendige Moselweinberge – Artenvielfalt im Steillagenweinbau zu passen. Schließlich steht in den Steillagen der Mosel überwiegend Riesling und damit nur eine Sorte – und was soll das mit Artenvielfalt zu tun haben?

Da muss ein kurzer Exkurs in die Geschichte gemacht werden.

Die Einschleppung der Reblaus aus Amerika führte Ende des 19. Jahrhunderts fast zum Ruin der gesamten Anbauflächen. Man erkannte, dass die Rebläuse die Wurzeln der europäischen Reben durch Saugen schädigen konnten, was sie bei den amerikanischen Reben nicht vermochten. Die Blätter der europäischen Sorten hingegen mochten die Rebläuse nicht, wohl aber die der amerikanischen Reben.

Der geniale Coup gegen die Reblaus konnte beginnen.

Alte Rebe von der Uni Geisenheim bonitiert

Was uns heute allen von veredelten Rosen oder veredeltem Gemüse geläufig ist, das Aufpfropfen oder Okulieren, wird bei der Rebe ebenfalls gemacht. Ein wunderschönes Beispiel von Pfropfen oder Veredeln sind Bäume, die auf der einen Hälfte Birnen tragen und auf der anderen Hälfte Äpfel.

Veredelung

Bei der Rebe nahm man nun die amerikanischen Reben als sogenannte Unterlage, benutzt also deren Wurzeln und veredelte – pfropfte eine europäische Sorte auf. Nun war die Reblaus unterirdisch Schach gesetzt, da sie die Wurzeln nicht schädigen konnte und oberirdisch dann Matt, da sie die Blätter nicht nutzen konnte.

Pfropfen erfordert das Holz der Rebe zur Vermehrung – es wird vegetativ vermehrt. „Die Kinder oder Nachkommen“ entstehen also aus einem Stück Mutter und sind damit alle identisch.

Es gibt keine neue Durchmischung von Erbmaterial, aus der dann neue Individuen entstehen, wie es bei „Kindern oder Nachkommen“ aus Samen der Fall ist – der generativen Vermehrung.

Würde man also nur noch einzelne Pflanzen als „Mütter“ nehmen, weil sie die Eigenschaften haben, die gefallen, dann gäbe es irgendwann nur noch einige wenige Pflanzen mit ihrem Erbgut und die Vielfalt an Geschmack, Ertragskraft Wuchsfreudigkeit und und und wäre verloren.

Biodiversität und Klonforschung.

Damit wäre die Artenvielfalt im Weinbau zumindest auf eine Sorte bezogen, dahin. 2002 waren z.B. die Nachpflanzungen in Rheinland-Pfalz beim Riesling zu 60% auf 3 Individuen zurück zu führen. Diese Erkenntnis führte dazu, dass die moderne Klonforschung heute versucht Genmaterial zu erhalten und verloren geglaubtes in alten Weinbergen wieder zu finden und zu erhalten.

Moos und Flechten auf einer uralten Rebe - sie lebt immer noch und trägt tollen Wein

Findet sich eine alte Rebe, so wird diese zunächst auf Viren geprüft, denn nur virusfreies Material darf in die Vermehrung. Durch moderne Verfahren ist die Züchtung heute zwar deutlich schneller geworden, allerdings sind die Kosten bis zur Zulassung so hoch, dass es immer weniger Züchter gibt und die aktuell 7 staatlichen Züchter immer mehr Aufgaben übernehmen müssen, um für eine Artenvielfalt bei den Reben zu sorgen.

Und so schließt sich der Kreis – Artenvielfalt bei einer Monokultur wird so zur Geschmacksvielfalt im Glas.

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Unterschiedliche Farbe – unterschiedliche Sorte – im Herbst wunderschön zu sehen.

 

Schmetterlinge & Co. … und was da sonst noch so kreucht und fleucht

61 Schmetterlinge finden sich in dem kleinen Taschenbegleiter für die Artenvielfalt „ Schmetterlinge der Untermosel“. Diese finden sich zwar nicht an der gesamten Mosel, aber immerhin 24 Arten   finden sich überall an der Mosel. Dieses kleine Heftchen beschreibt reich bebildert den Lebenszyklus  der Schmetterlinge, zeigt, dass es auch tagaktive Nachtfalter gibt und welche weitere Unterteilung bei den Schmetterlingen vorgenommen wurde.

Dieses Heftchen lag für uns Kursteilnehmer bereit und sorgte für eine besondere Vorfreude auf den Kursabend. ( ISBN 978-3-9812276-4-2)

So waren wir auf die Schönheit der Schmetterlinge eingestimmt und staunten nicht schlecht, dass die Beschreibung der kleinen Raupe Nimmersatt den tatsächlichen Gegebenheiten nahe kommt 🙂

Raupe vom Kleinen Fuch
Raupe vom Kleinen Fuch

Aus einem Ei, dessen Gestalt fast so unterschiedlich ist, wie der Schmetterling schlüpft eine ebenso Art spezifische Raupe, die am Ende Ihrer Fressphase immerhin mehr als 1000mal so schwer ist.

Mit ihren Brustbeinen, Bauchfüßen und dem Nachschieber ist die Raupe bewegungsfähig und aktiv auf Nahrungssuche. Das Puppenstadium ist das Ruhestadium, die Puppe ist bewegungsunfähig.

Puppe vom Kleinen Fuch
Puppe vom Kleinen Fuch

 Klein – oder Großschmetterling,

danach werden die Schmetterlinge eingeteilt oder auch nach Tag – oder Nachtfalter. Die Unterscheidung  der Tag- und Nachtfalter liegt im Körperbau und nicht etwa in der Tag – oder Nachtfliegerei – zumindest nicht alleine, das lernen wir, denn es gibt auch tagaktive Nachtfalter. Nur an der Flügelstellung in Ruhe lässt sich ein Tagfalter und ein Nachtfalter eindeutig unterscheiden. Der Tagfalter stellt die Flügel aneinander geklappt hoch, der Nachtfalter legt die Flügel an. Erstes Ergebnis dieses Abends: bei Schmetterlingen gilt Vieles aber nichts grundsätzlich.

Der Kleine Fuch
Der Kleine Fuch

Nahrung:

Die Schmetterlinge sind auf Nektar aus, ihre Raupen benötigen Blätter

Überwinterung:

Jede Art hat ihre eigene Strategie.  Jeder überwintert in dem für sie eigenen Stadium – als Ei, wie der Apollofalter, als Raupe, wie die „Goldene Acht“, als Puppe wie z.B. der Schwalbenschwanz oder gleich als  Schmetterling wie z.B. der Zitronenfalter.

Wanderung:

Nur wenige Falter sind  Standort treu, wie z.B. der Apollofalter, die meisten vagabundieren, sind Binnenwanderer oder Saisonwanderer – ein Verhalten wie bei Zugvögeln. Wird es kalt, ziehen sie in wärmere Gebiete. Das Taubenschwänzchen bringt es dabei immerhin auf 3000 km in 14 Tagen auf dem Weg in Sommerlager. Auf Grund der klimatischen Veränderungen gibt es aber mittlerweile schon einige Arten, die in Deutschland bleiben und auch hier zur Eiablage kommen.

Verhalten:

Erwähnenswert ist  das hillhopping. Es  werden kahle Hügelkuppen aufgesucht um sich dort zur Paarung treffen zu können.

Gefährdung:

Viele Schmetterlingsarten gelten schon als gefährdet, weil  bevorzugte Lebensräume wie Trockenhänge u/o benötigte Nahrung für die Raupen nicht mehr zur Verfügung steht.

Nutzen:

Schmetterlinge sind Indikatoren oder Zeiger für Lebensräume, da sie spezifische Anforderungen haben. Schmetterlingsarmut bedeutet auch Pflanzenarmut.

Unter www.liforum.de, so erklärte uns Frau D. Braun, hätten wir die Möglichkeiten alle Arten von Schmetterlingen mit ihren Stadien zu bestimmen – neben Bestimmungsbüchern auch eine Möglichkeit zum Schmetterlingsfachmann/frau zu werden.

Herr A. Krahner  überzeugte mit seiner Leidenschaft für Spinnen und weiteren Insekten – neben den Schmetterlingen.

Bei den Spinnen beschränkte er sich auf die Netz-, Spring-, Krabben- und Wespenspinnen.

Spinnen sind Räuber, die ihre Beute  durch einen Biss lähmen, Verdauungssekret in die Beute injizieren und  durch den dadurch einsetzenden Zersetzungsprozess  die Beute  aussaugen können.

Zum Zerkleinern der Beute fehlen ihnen die entsprechenden Mundwerkzeuge.

Die Netzspinnen weben die allseits bekannten Netze und warten auf Beute.

Die Springspinnen hingegen lauern ihrer Beute auf und springen sie mit ihren kurzen kräftigen Beinen blitzartig an. Beim Sprung wird lediglich ein dünner Sicherungsfaden ausgebildet. Unter den Spinnen haben  sie die besten Augen mit einem 360 ° Gesichtsfeld und durch die beiden, sich teilweise überlappenden Augenpaare ist so etwas wie räumliches Sehen möglich. Sie lieben die Wärme – bei Regen sind sie nicht zu sehen.

Die Krabbenspinnen verdanken ihren Namen der Fähigkeit seitwärts zu laufen. Ihr Gift ist so stark, dass es auch bei einer Hornisse Wirkung zeigt obwohl sie selber nur max. 10mm groß wird. Die Krabbenspinnen sind „Ansitzjäger“ – warten auf die Beute bis sie vorbei kommt. Sie können sich innerhalb einer Häutung farblich ihrem Lebensraum anpassen.

Die Wespenspinnen produzieren Radnetze mit einer mittigen Gespinstplatte auf der sie ausharrt. Sie tarnt sich als Wespe um Fressfeinden zu signalisieren: Finger weg! Dieses Verhalten nennt sich Mimikry und ist in der Natur häufig anzutreffen.

Bei den Insekten ging es dann weiter mit Käfer, Netzflügler und Hautflügler, da die Gruppenbildung bei den Insekten über die Zeichnung der Äderung der Flügel erfolgt.

Der Siebenpunktmarienkäfer ist wohl jedem bekannt. Auch bei den Käfern haben die Jungtiere eine andere Lebensweise als die ausgewachsenen Tiere. Die 15-50 Eier legt das Weibchen einfach  in der Nähe einer Blattlauskolonie ab. Die Larve schlüpft umgeben von reichlich Nahrung und unter mehrfacher Häutung wächst die Larve dann zur Puppe heran. Aktiv kann die Larve keine Nahrung suchen, da sie ihre Beute nur bei direkter Berührung erkennt. De Marienkäfer und seine Larven sind wohl die bekanntesten Blattlausfresser.

Rote  – blaue Ödlandschrecke

Sie gilt in Deutschland bereits als vom Aussterben bedroht, ist an der Mosel aber anzutreffen, wenn man weiß worauf man zu achten hat. Sie ist Meister der Tarnung in Brachen  – auf Ödland.  Nur wenn  sie hier gestört wird und als Fluchtreflex auffliegt, dann werden ihre Namen gebenden roten  oder blauen Flügel sichtbar.

Die Eier werden im Boden abgelegt und überwintern dort.  Die Larve häutet sich mehrmals bis zum flugfähigen Erwachsenenstadium. Das Puppenstadium  gibt es hier nicht = unvollständige Metamorphose.

Florfliegen

Diese filigranen Tiere kennt wohl jeder, insbesondere an warmen Tagen in der Dämmerung, wenn sie besonders aktiv sind. Die gefräßigen Larven der Florfliegen bevorzugen Blattläuse oder Spinnmilbeneier und  –larven, was sie zu bevorzugten und heute schon industriell vermehrten Nützlingen macht.

Schwebfliegen

Auch sie täuschen  ihre Fressfeinde mit ihrer wespenähnlichen Zeichnung ( Mimikry). Die Schwebfliege ist jedoch vollkommen ungefährlich. Wir können sie leicht von Wespen unterscheiden, den es fehlt ihr die Wespentaille, ist deutlich kleiner und  hat  nur 2 Flügel. Sie sind  blitzschnelle Flieger, die im Schwirrflug auch auf der Stelle verharren können um dann plötzlich die Richtung zu ändern. Auch die Larven der Schwebfliege sind wahre Blattlausvertilger, die erwachsenen Tiere benötigen dagegen wieder Nektar und Pollen. Der größte Teil der Schwebfliegenarten wird heute bereits in der Roten Liste Deutschland geführt.

Was sich alles tarnt um den Feinden gegenüber genauso wehrhaft zu gelten wie die eigentlichen Vertreter Wespe und Biene haben wir gehört. Die größte soziale staatenbildende Vertreterin unter den Faltenwespen ist die Hornisse, die heute  bereits eine besonders geschützte Art ist. Sicher auch weil ihre Größe sie  im  Volksmund zur gefährlichsten „Wespenart“ machte.  Sie ist jedoch friedfertig und furchtsam und nicht angriffslustig. Jedes Jahr bauen die begatteten und in der Erde überwinternden Königinnen einen neuen Staat auf. Genauso wie die Gartenhummel, die zu den Bienen gehört und hier zu den Wildbienen. Alle Wildbienen sind besonders geschützt, da sie zu den wichtigsten Bestäubern zählen.  Bei den  Wildbienen gibt es nicht nur soziale staatenbildende Sorten. Die Gartenhummel gehört jedoch dazu. Von den fast 550 Bienenarten lebt der größte Teil jedoch als Einzelbiene und  baut alleine Brutzelle nach Brutzelle zu einem Nest aus. Meistens erlebt die Generation den Schlupf der eigenen Nachkommen nicht mehr.

Neben der Biene App aus Kapitel ??? ist eine wirklich empfehlenswerte und spannende Seite  für alle die viel mehr über die Wildbienen wissen möchten die Seite www.wildbienen.info . Die ersten Hummeln wurden schon gesichtet. An solch schönen sonnigen Tagen wie heute sind sie bereits unterwegs.

Helau und Alaaf – für  Faschingsdienstag oder Karnevalsdienstag  gibt es keine passenden Tiere oder Pflanzen. Bis dahin – Augen auf für alles was da kreucht und fleucht. 😉

Lebensräume schaffen und erhalten

In dieser Woche ging es in unserer Fortbildung „Lebendige Moselweinberge – Artenvielfalt im Steillagenweinbau“ um die Weinbergschnecke, Amphibien, Reptilien und die Vogelwelt. Dieses, für drei Stunden, wirklich umfangreiche Programm lässt sich nicht mehr auf 2 Seiten zusammenfassen. Deshalb beschreibe ich hier nur die wirklich für den Weinberg  typischen Tiere näher. Für mich und unsere Arbeit in den Weinbergen war dieser Abend von besonderer Wichtigkeit. Wir haben unsere Steillagen von Hand auf Querterrassen mit dem vorhandenen Material umgestellt. Wir haben eingesät um Tieren Nahrung zu verschaffen, den Boden teilweise neu aufzubauen um Erosion zu verhindern und Lebensräume zu schaffen. Was wir ansonsten noch tun können um Lebensräume zu schaffen und Artenvielfalt im Weinberg erlebbar zu machen, das sollte dieser Abend für mich bringen.

Die Weinbergschnecke

gehört zu den Landlungenschnecken und  ist geschützt. Sie ist zwar zwittrig, also Männchen und Weibchen in einem Tier, benötigt aber dennoch einen Partner, wobei sich von Mal zu Mal entscheidet, wer gerade als was fungiert. Dies hilft die Wahrscheinlichkeit auf einen Partner zu treffen zu erhöhen und sorgt  dennoch für eine Selektion des Genmaterials, was für die Anpassung an sich verändernde Lebensräume unerlässlich ist. Auch wenn sie Weinbergschnecke heißt, so ist sie nicht auf diesen Lebensraum beschränkt, erklärte uns Dr. Ulrich Schulte. Man findet sie auch in lichten Wäldern und Offenlebensräumen auf kalkhaltigen Böden.  Den Kalk benötigt sie nicht nur für ihr Haus und die Eier sondern auch für einen Kalkdeckel, den sie ausbildet, sobald die Gefahr der Austrocknung droht. Die Aufnahme des Kalkes erfolgt dabei über die Fußsohle der Schnecke. Für die Winzer ist die Weinbergschnecke ein Nützling, da sie die Eier der ungeliebten Nacktschnecken frisst.

Amphibien

Zu den heimischen Amphibien gehören 14 Arten von Froschlurchen, wovon in Weinbergen gelegentlich die Erdkröte, die Wechselkröte, die Kreuzkröte und der Springfrosch angetroffen werden.

Für die Erdkröte und den Grasfrosch werden die bekannten Krötenzäune errichtet um die Tiere bei ihrer jährlichen Wanderung im Februar – März zu schützen. Das funktioniert, weil die  Wanderwege immer gleich bleiben, da die Tiere in jedem Jahr an die Stelle zurück kehren, an der sie selber einst aus dem Wasser  gekommen sind.

Von den sechs  Schwanzlurcharten findet man gelegentlich den Feuersalamander  oder den Bergmolch in Weinbergen.  Frösche – wie Schwanzlurche brauchen dynamische- sich verändernde Lebensräume, mit zumindest zeitweise gegebenen Kleinst – Kleingewässern, wie z.B. eine ausgefahrene Fahrzeugspur, die sich mit Wasser füllen kann in den Weinbergen oder an den Randgebieten.

Schlingnatter

Reptilien

Von den 6 heimischen Schlangenarten finden sich an der Mosel die Ringelnatter, die Würfelnatter und die Schlingnatter, wobei die Schlingnatter als Charakterart der Weinberge gilt. Erkennungszeichen für die Nattern sind die runden Pupillen, für die Schlingnatter zudem ihre individuelle Kopfzeichnung und die Ortstreue.  Schafft man es den Kopf zu fotografieren, weiß man immer mit welcher Schlingnatter man
es zu tun hat und mit max. 2 ha belegt sie ein überschaubares Revier. 30% aller Schlingnatterreviere finden sich in den wärmebegünstigten Weinbergen oder Weinbergsbrachen im SW Deutschlands. Insbesondere die  Trockenmauern sind beliebte Sonn – und Rückzugsbereiche. Durch ihre Färbung ist die Schlingnatter  hier besonders gut getarnt, ihre versteckte Lebensweise an sich trägt dann noch weiter dazu bei, dass die Schlingnatter als die unbekannteste heimische Schlange und als gefährdet gilt.

Die ursprünglichen Lebensräume der Reptilien waren besonnte Flussufer mit Kiesbänken oder Felsabbruchkanten, also wie schon bei den Amphibien die dynamischen Lebensräume.

Echsen

Von den 6 heimischen Echsenarten finden sich gelegentlich Blindschleichen, die westliche Smaragdeidechse, die Zauneidechse und die Mauereidechse. Die Mauereidechse ist als Charakterart der Weinberge anzusehen. Auch bei der Mauereidechse ist der  Lebensraum zu 30%  in den  Trockenmauern oder Steinhaufen der Weinberge oder Weinbergsbrachen zu finden. Die Trockenmauern dienen als Versteck, als Winterquartier und als Eiablageplätze. Schlupftermin für die Jungen ist je nach Außentemperatur Juni- August. Bei Temperaturen um die 24 Grad braucht es mehr als 70 Tage, bei Temperaturen  von 34 Grad sind es keine 30 Tage mehr.

Die Mauereidechse  hat als Erkennungsmerkmal als einzige heimische Echse ein glattrandiges Halsband. Sie ist sehr flink und ein guter Kletterer. Über die sogenannten Femoralporen an ihrer Längsseite sondern die Männchen Steroide ab, die der Revierabgrenzung dienen und den Weibchen signalisieren, dass hier ein fitter und potenter Partner zu finden ist, was dieser auch noch durch eine intensive Färbung unterstreicht. Als einzige heimische Art bleibt  die Mauereidechse auch im Winter aktiv.  Dazu braucht es nur wenig über 0 Grad mit intensiver Sonneinstrahlung. Das Parietalauge in der Mitte des Oberkopfes hilft ihr wohl dabei aus ihrem Winterquartier heraus diese Schönwetterphasen zu erkennen. Außerdem hilft es wohl auch bei der Flucht vor Fressfeinden, die sich aus der Luft nähern.

Was macht Echsen noch besonders?

Sicher ihr Verteidigungsverhalten. Sie nutzen den Mechanismus der Autotomie. Bei akuter Gefahr sind sie in der Lage ihren Schwanz an einer dafür vorgesehenen Stelle – einer Sollbruchstelle –  durch Muskelkraft abzuwerfen und dadurch zu entkommen. Innerhalb von 2 Monaten ist der Schwanz zwar nachgewachsen,  kann ein weiteres Mal jedoch nur noch oberhalb der alten Bruchstelle abgeworfen werden.

Außerdem werden die Echsen von Zecken besiedelt, dienen selber aber nicht als Wirt, was für die Zecken und die Borrelienübertragung zur  Sackgasse für weitere Infektionen wird.

Insgesamt lieben  Echsen wie Schlangen Strukturvielfalt, wie sie in Weinbergsbrachen zu finden sind, mit Totholz, Rebhölzern und Krautsäumen.

Im  2. Teil des Abends brachte uns Dr. Weitz die heimische Vogelwelt auf unterhaltsame Art näher. Um als guter Vogelbeobachter unterwegs zu sein braucht es ein gutes Auge – unterstützt von einem Fernglas, ein Bestimmungsbuch und ein Notizbuch um alle Beobachtungen festzuhalten. Und natürlich ein gutes Ohr, denn eher hört man den Vogel als man ihn sieht – zumindest bei den Singvögeln J Die Vögel sind meist flink und geben dem Anfänger nicht die Zeit sie ausgiebig zu studieren. An der Mosel sind immerhin 150 Arten aus 23 Familien zu Hause, die man akustisch u/o optisch auseinander zu halten lernen kann. In Deutschland  sind es dann schon 450 Arten und für den Fortgeschrittenen bieten weltweit rund 9600 Arten ein weites Betätigungsfeld.

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Auch hier werde ich mich auf die in Weinbergen und Weinbergsbrachen anzutreffenden Vertreter der Vogelwelt beschränken.

Vögel sind grundsätzlich erst einmal Spezialisten, die an ihren Lebensraum angepasst sind. So haben Körnerfresser eher runde Schnäbel, Insektenfresser eher spitze Schnäbel. Höhlenbrüter haben weiße Eier, da sie nicht der Umgebung entsprechend angepasst eingefärbt und gezeichnet zu sein brauchen, wie z.B. bei den Rohrsängern mit ihren an das Schilf angepassten Eiern. Diese Nester  werden aber z.B. bevorzugt vom Kuckuck untergemietet.

Neben Buchfink, Star und Drossel sind als moseltypisch der Bluthänfling und die Zippammer zu nennen

Der Bluthänfling

ist etwas kleiner als der Spatz – Haussperling , ist langschwänzig und schlank. Seinen Namen hat er von der Rotfärbung der Männchen auf Stirn und Brust. Von den Winzern wird er auch Stockfink genannt, da er gerne in den Weinstöcken sein Nest baut. Er mag die sonnigen, offenen Flächen mit krautigem Aufwuchs aus der er die Sämereien als Nahrung bezieht.

Die Zippammer

ist in keiner Weinbergslage wirklich häufig,  bevorzugt aber die trockenen und warmen, nach Süden ausgerichteten Weinbergslagen mit Trockenmauern, einzelnen Büschen und bewachsenen Felsköpfen.  Durch  groß angelegte Flurbereinigungsverfahren fallen strukturreiche Weinbergslagen weg und damit Lebensräume für die Zippammer.  Die Zippammer ernährt sich selber von Sämereien und Insekten, ihre Jungtiere zieht sie nur mit proteinhaltiger tierischer Nahrung auf.

Dorngrasmücke und Neuntöter

finden sich in frisch aufgelassenen Weinbergen, die noch nicht zu stark verbuscht oder schon mit Bäumen besetzt  sind. Beide ernähren sich von Insekten, der Neuntöter legt  mit seiner Beute auch noch Vorräte an in dem er den Fang auf Dornen aufspießt. Er wagt sich allerdings auch schon an Feldmäuse heran.

Der Girlitz

mag die Sämereien von Kräutern und Stauden, wie sie sich in Ortsrandlagen beim Übergang zu den Weinbergen finden. Ihn zeichnet sein kleiner Schnabel mit dem großen Kopf aus.

Der Grünspecht

ist der Specht unter den Weinbergsvertretern. Er sucht seine Nahrung am Boden – vorzugsweise Ameisen und nutzt die Weinbergspfähle als Abflughilfe in dem er an ihnen hochklettert.

Die Mönchsgrasmücke

als weiterer Vertreter der Grasmücken bevorzugt  zwar Halbschatten, der immergrüne Efeu, der an vielen Felsen und Felsvorsprüngen zu finden ist, wird von ihr aber  gerne angenommen. Sicher nicht zuletzt weil sich dort die bevorzugte Nahrung – Spinnen und Insekten aufhalten.

Raubvögel

Für Nahrung aus dem Weinberg – Mauereidechse, Insekten und Kleinsäugetiere interessieren sich unter den Raubvögeln an der Mosel der schwarze Milan als weltweit häufigster Greifvogel sowie der Turmfalke und der Mäusebussard, die beide schon wieder an der Mosel unterwegs sind. Sie gehören fest ins Bild der Weinbergslagen.

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Für die Artenvielfalt  braucht es also Lebensräume, die in früheren Zeiten natürlich vorhanden waren. Viele Tiere haben sich heute angepasst an die vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaften. Aber immer da, wo Vielfältigkeit in der Vegetation und in der Struktur  der Landschaft besteht finden unterschiedlichste Tiere Lebensraum und ziehen dadurch weitere nach, auf jeden Fall schon mal Ihre Fressfeinde. Die  Kulturlandschaft Mosel  bietet mit ihren Felsvorsprüngen und Trockenmauern immer noch einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen  Schutz und Lebensraum. Die Aufgabe besteht darin diese besonderen Lebensräume zu entdecken und zu erhalten und wo immer möglich auszudehnen.

In der kommenden Woche geht es tierisch betrachtet in der Nahrungskette rückwärts  mit den Insekten und speziell dann  auch noch um die Schönheiten unter ihnen, die Schmetterlinge.

Das neue Weinjahr

Am Samstag hat bei uns das Weinjahr wieder begonnen – das Schneiden der Reben hat begonnen. Wir haben unsere Rebfläche durch Zukäufe über die Wintermonate um 50 % ausweiten können. Da gibt es also genug zu tun.

Endlich geht es wieder los

Die erste Parzelle ist die Rieslingparzelle der Rebenpächter, sie ist Teil des Felsens. Sie ist zwar schön steil und ist eine 1. Lage, aber auch unsere Pächter werden mit uns zusammen gut ihre Reben besuchen können.

Rebenpacht Riesling

Und dabei können Sie – und wir natürlich auch – diesen Ausblick genießen. Auch wenn der Himmel am Samstag tief hängende Wolken in das Moseltal fallen ließ…… es ist immer wunderschön hier.

Ausblick aus der Rebenpachtparzelle am Felsen_1

Blinder Passagier

In einem Kommentar hatte ich es ja schon angekündigt – hier der Artikel zu unserer Schlingnatter, die als blinder Passagier mitgefahren war.

Nach einem sonnigen  Arbeitstag in dem Weinberg, aus dem die schon gezeigten Fotos stammen, fuhren wir bei nachlassender Sonnenwärme nach Hause. Unsere Schlingnatter hatte wohl das gleiche Gefühl – sie wollte in die Wärme. Vielleicht war es aber auch ihr technisches Interesse, was sie in versteckte Winkel unseres Wagens klettern ließ. Wie auch immer, bis zu uns nach Hause schaffte sie es offensichtlich mühelos.

Auf dem Gehweg findet sie wenig Freunde
Auf dem Gehweg findet sie wenig Freunde

Dort nutzte sie dann die Chance einige Nachbarn in helle Aufregung zu versetzen. Schade war nur, dass wir sie bei ihren Versuchen deren Auto zu entern nicht fotografieren konnten. Wir kamen zu spät. Wir sammelten sie ein und brachten sie wieder in ihren Weinberg zurück, aber an eine Stelle, die von der Sonne besser verwöhnt ist und die in unseren Augen ein Schlangenparadies ist.

Auf direktem Weg ins neue Heim
Auf direktem Weg ins neue Heim

Sie nahm den direkten Weg dorthin.

Gernial - und der Ausblick über das Moseltal, beser geht es nicht!
Gernial – und der Ausblick über das Moseltal, beser geht es nicht!

In ihrer neuen Penthousewohnung angekommen, folgte ein schneller Abschiedsblick zu uns und wir trollten uns dann auch schnell, wollten den Einzug nicht über die Maße stören.

Grüße von der Mosel

Ihr Weingut Sanders & Sanders

Schlingnatter im Weinberg

Heute war ein echter Glückstag. Wir konnten eine Schlingnatter in unserem Weinberg beobachten, sie ist Reptil des Jahres 2013 und sehr stark gefährdet. Wir haben nur wenige Schlangen, die in Deutschland heimisch sind – sie fällt unter den strengen Schutzstatus als Art des Anhangs IV der FFH-Richtlinie.

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Reptilien kann man in Deutschland ohnehin nur schwer in freier Wildbahn beobachten, die Schlingnatter ist eine Vertreterin, die es uns in der Regel besonders schwer macht sie zu entdecken.

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Der Grund, warum wir sie in unseren Weinbergen finden liegt in der Umstrukturierung der Weinberge, nachdem wir sie anfingen zu bewirtschaften. Als demeter-Betrieb verzichten wir wie andere Biobetriebe auch auf jegliche schädliche Spritzmittel. Wir sind über diese Anforderung jedoch noch hinaus gegangen und haben versucht die Monokultut Weinberg aufzubrechen und einen Fleck Erde daraus zu machen, der eine Vielzahl an Pflanzen und Tieren beheimaten kann. Die biologische Vielfalt ist es und die vollständige Vermeidung von Umweltbelastungen durch Chemie, die einen solchen Lebensrauzm erzeugen kann.

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Ein weiteres sehr wichtiges Merkmal unserer Weinberge sind die Terrassen, die wir in Handarbeit angelegt haben. Sie bieten nicht nur den kleinen Echsen im Weinberg eine Heimat – ihre Strukturen sind auch der Lebensrazum für Schlingnattern. Das Bild hier zeigt noch die Anfänge, man kan aber die kahlen Böden noch sehen – heute blühen sie, wie der letzte Artikel zeigtt.

Terassen-Anfang

Vielleicht können Sie/ ihr jetzt nachvollziehen, welche Freude uns die Entdeckung der Schlingnatter gebracht hat. Und ja, das ist auch Ansporn den Weg weiter zugehen.

Wer noch mehr über die Schlingnatter erfahren möchte kann das auch auf dieser Seite : http://www.reptilien-brauchen-freunde.de/schlgn.html

 

Ein Blütenmeer

In diesen Tagen verwandelt sich unser Felsen in ein Blütenmeer. Der Färberwaid dominiert mit seiner leuchtend gelben Blütenpracht den Weinberg.

Blütenmeer

In der traditionellen chinesischen Medizin wird der Färberwaid – genauer seine Wurzel – gegen Grippe eingesetzt. Hier zu Lande wurde eher ein Magenbitter aus den Wurzeln hergestellt. Dazu wurden die Wurzeln vor der Blüte geerntet, beim sogenannten „Waidstich“ wurden sie wie Spargel gestochen.

Färberwaid und Natternkopf

Fast geht in der gelben Blütenfülle der Natternkopf unter. Er bildet einen wunderbaren Farbkontrast. Auch wenn der Natternkopf ebenfalls medizinisch wertvoll ist – wir lassen beide Pflanzen einfach blühen und erfreuen uns an ihrer Farbenpracht.

Ganz fein und klein dagegen finden sich kleine weiße oder leicht bläuliche Farbtupfer im Weinberg, die Blüten des Ölrettichs. Seine tiefen Wurzeln helfen uns den Boden zu belüften, das Wasser in größere Tiefen zu leiten und die Erosion zu minimieren.

Ölrettich

All das hilft unseren Reben. Die, die die Möglichkleit haben draußen einen Weeinberg in diesen Tagen zu beobachten, werden zustimmen, wenn ich hier schreibe, das diese Reben im Felsen sicherlich mehr als zwei Wochen weiter entwickelt sind als es anderswo üblich ist.

so weit ist der Felsen

Die schönsten Tage im Frühjahr

 

Mai 2013

Wenn ich in diesen Tagen in den Weinberg gehe, habe ich immer das Gefühl, als wenn einem das Herz grenzenlos weit aufgeht. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn die Knospen an den Reben sich öffnen, die ersten Blätter sich aus den filzigen, wolligen Knospen heraus entfalten. Anfangs noch ganz knautschig und faltig nach wenigen Tagen schon kraftvoll der Sonne entgegen gestreckt.

Blütenstand

Wenn sich die Blätter entfalten, zeigen sie die Blütenstände, eine Ansammlung kleiner Kügelchen, aus denen in 4- 6 Wochen die Blüten entstanden sind. Ungefähr 100 Tage später beginnt dann in der Regel die Weinlese.

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 Jetzt beginnt eine Zeit in der wir fast täglich im Weinberg arbeiten – es ist die Zeit, die über den kommenden Wein, seinen Geschmack und seine Aromen entscheidet. Wir haben auf den Beginn dieser Arbeit gewartet – jetzt ist es so weit.